Montag, 18. Juni 2018

Warum die syrische Tragödie anders ist als jede andere Tragödie, die die Menschheit erlebt hat



Wenn das Wort "Krieg" verwendet wird, können einige glorreiche Szenen in den Sinn kommen. Man kann bei Kriegen an jene historischen Kämpfe denken, in denen junge Männer zusammentrafen, um ihre Stärke zu demonstrieren und sich die Anführer bemühten, ihre Intelligenz zu zeigen. Wir alle gehen ins Kino, um Filme über solche Kriege zu sehen. Wir erzählen Kindern Geschichten darüber. Ich finde daher das Wort "Krieg" viel zu romantisch, wenn ich versuche zu beschreiben, was in Syrien passiert. In dieser Tragödie wurden keine Fähigkeiten demonstriert, sondern Krankenhäuser, Kinder und Zivilisten in Haufen von Gliedmaßen und Blut verwandelt. Die Anführer der kämpfenden Gruppen sind hingegen nur selten aneinandergeraten und haben kaum  etwas verloren. Sie werden am Ende des Krieges alle sicher als Gewinner mit dickeren Brieftaschen nach Hause kommen, während Millionen von Zivilisten vertrieben wurden. Unzählige Fälle von Folter haben sich ereignet, zahllose Gliedmaßen wurden verstümmelt, Augen ausgestochen und Köpfe abgeschnitten. Der Krieg war nicht darauf ausgerichtet für etwas Bestimmtes zu kämpfen. Es gab kein Land, keine Rohstoffe oder strategische Positionen, die gewonnen werden konnten. Dieser Krieg wurde entworfen, um eine der tragischsten Episoden der Menschheitsgeschichte zu schaffen.
Es ist nicht nur die Anzahl der Opfer, die diese Tragödie zu einem der hässlichsten Kriege der Geschichte gemacht hat. Er passierte in einer Zeit, als man dachte die Welt sei gereift. Es gibt ausgeklügelte internationale Rechtssysteme, die von Nationen und Organisationen entwickelt wurden. Man konnte annehmen, dass ein solcher Krieg auf diesem Planeten nicht mehr möglich sei. Die Massaker in Ruanda oder im Kosovo lagen schon länger zurück. Damals machte die Menschheit noch ein Nickerchen. Die Zeiten hätten inzwischen sich geändert, dachte man, und die internationale Gemeinschaft wurde endlich erwachsen. Ihre Ethik schien nun entwickelt genug. Man konnte hoffen, dass solche Ereignisse nur mehr in Geschichtsbüchern zu finden wären. Zumindest haben sich die Syrer das gedacht bzw. wurden sie dazu gebracht es zu glauben.
Die Millionen von Demonstranten, die auf die Straße gingen, hatten eine Vielzahl von Gründen, sich gegen ein so korruptes und mörderisches Regime zur Wehr zu setzen. Allerdings hatten sie zuvor auch jahrzehntelang Gründe genug, um diesen Schritt nicht zu tun. Die Syrer waren keineswegs ahnungslos, was die Ethik oder besser gesagt „Nicht-Ethik“ ihres Regimes und dessen grenzenlose Brutalität betraf. Genau genommen waren sie sich den Werten des Regimes und seiner Verbündeten spätestens seit 1982 bewusst und sie waren auch nicht so dumm, sich bezüglich der Waffenlager ihrer Regierung zu verkalkulieren . 
Jedenfalls ein Teil der Syrer ist in der Revolution gegen das Regime gerade deshalb aktiv geworden, weil man sich auf die angebliche zivilisatorische Reife der Nationen und Organisationen auf der ganzen Welt verlassen hat.
Wichtig ist zu wissen, dass dieses Vertrauen  nicht spontanen Ursprungs war, sondern systematisch aufgebaut wurde.
Erklärungen von Politikern wie Obama, und Erdogan sowie europäischen Regierungschefs schafften Vertrauen. Wenn man diese Signale in den Jahren vor der Krise verfolgt, besteht kein Zweifel daran, dass es sich um keinen Zufall handelte .
Lag eine Verschwörung gegen das syrische Regime vor? Der Schein trügt!
Das Regime von Assad war selbst ein Teil dieser Verschwörung. Alle seine Taten trugen dazu bei.
Die Berichterstattung in den Medien erklärte die ungerechtfertigte Gewalt des Assad-Regimes als eine Art Faschismus, Sadismus oder politische Dummheit. Wenn Sie weiterlesen, werden Sie verstehen, warum diese Erklärung nicht ausreichend ist.
Assad ist nicht der einzige Spieler in diesem Spiel. Er ist kein Diktator, der losgelöst von anderen Mächten agiert.
Er ist mit den mächtigsten Geheimdiensten der Welt verbunden. Sein Regime ist Bestandteil ein internationales Machkartells. Die Besitzer dieses Unternehmens überlassen die Sicherheit dieses Imperiums nicht der Dummheit eines Diktators. Alle Handlungen waren bewusst gewählt und kamen nicht zufällig zustande. 
Das werde ich auf den folgenden Seiten dieses Buches erklären.





Das Meiste, das Sie in den Medien gelesen oder gehört haben, ist zu 100% zutreffend. Aber WIE und WANN Sie die Berichte übermittelt bekommen, darin liegt die Manipulation!






Um die Aussagen zusammenzufassen





Excerpted from The Jimmy Dore Show
MSNBC Panel On Syria with Jeffrey Sachs, professor of sustainable development and health policy at Columbia University,
The original video can be watched here:
https://www.youtube.com/watch?v=_O2TRzA2ezk&feature=youtu.be




[1] 10. Juni 2011, sagte Erdogan über den türkischen Kanal ATV: "Die Situation in Syrien für die Türkei ist nicht so wie in Libyen. Syrien ist fast wie eine interne Angelegenheit (für die Türkei). Wir haben eine 800 bis 900 Kilometer lange Grenze. Wir haben Verwandte dort. Die Türkei kann das wiederholte Massaker von Hama nicht akzeptieren. http://archive.arabic.cnn.com/2011/syria.2011/6/10/turkey.syria/

Zwei Jahre später erschien Erdogan wieder und wiederholte den gleichen Monolog. Zu dieser Zeit überstiegen die syrischen Opfer dieses Spiels die dreifache Zahl des Massakers von Hama. Erdogan schien jedoch nicht zu bedauern oder zu entschuldigen. Er sah eher wie ein Schauspieler aus, der seine Leistung so behält, wie sie für ihn geschrieben wurde.
Diese Theaterszene setzte sich in dem gleichen Moment fort, bis diese Zeilen geschrieben wurden. Die Propagandakanäle, die hauptsächlich von Katar finanziert werden, hörten nicht auf, ihn zu loben als "den Führer, der die Syrer nicht im Stich ließ".
Dies blieb während der 8 Jahre der syrischen Tragödie ohne Unterbrechung, selbst nach 600.000 Toten, 10 Millionen Vertriebenen und unbekannten Schäden und Verlusten.

19. August 2011, Obama sagte "Assad muss zurücktreten"
"USA, Europa fordern, dass der syrische Führer Al-Assad zurücktritt"
"Außenministerin Clinton sagt, der syrische Präsident Assad muss gehen"

22.11.2011 Reuters: "Der türkische Premierminister ruft den syrischen Präsidenten Assad zum Rücktritt auf. Während die Türkei eine Intervention von außen ablehnt, hat sie sich mit syrischen Oppositionsgruppen getroffen und erlaubt ihnen, sich in türkischen Städten zu treffen. Es hat auch den Überläufern der syrischen Armee Zuflucht gewährt, bestreitet jedoch, dass es einen bewaffneten Widerstand unterstützt. Türkische Zeitungen zitierten am Wochenende Beamte, die sagten, die Türkei könne eine Flugverbotszone auf syrischem Territorium einrichten, um die Bevölkerung vor Assads Sicherheitskräften zu schützen, um einen möglichen Massenexodus von Flüchtlingen aus Syrien abzuwenden.
Der türkische Premierminister Tayyip Erdogan hat am Dienstag den syrischen Präsidenten aufgefordert, zurückzutreten und Damaskus 'Vorgehen gegen Demonstranten mit der Taktik des nationalsozialistischen Deutschland zu vergleichen. "

16. Mai 2013, "Obama und Erdogan: Syriens Assad muss gehen"

Die Rede war kurz nachdem Obamas sogenannte "rote Linie" überschritten wurde, in der Assad Berichten zufolge die Chemiewaffen einsetzte, wie die amerikanischen Ermittlungen bewiesen haben.

Bis zum Zeitpunkt des Schreibens dieser Zeilen, nach 8 Jahren des Beginns der Tragödie, geht das Spiel in seiner gleichen Wucht weiter.

Sonntag, 17. Juni 2018

Widmung


Für sie:

Den Opfern der Kriegsfürsten, die außer dem Blut, den Gliedmaßen, der Zukunft und den Träumen dieser Kinder kein anderes Geschäft finden konnten.





Erinnerungen an den Sommer 2011 in Saraqib, Nordsyrien


Es war unerträglich heiß. Ich wachte morgens in unserem Bauernhof auf, der drei Kilometer vom Stadtzentrum von Saraqib entfernt liegt. Ich schaltete den Fernseher ein. Es lief gerade ein Film. Ich schaute diesen Sender regelmäßig, um mein Englisch zu verbessern. Ich war noch immer in einem Zustand der Benommenheit. In Saraqib war in den letzten Tagen Schlimmes geschehen.

Vor einigen Tagen kam mein Vater morgens zur gleichen Uhrzeit zu mir und sagte, dass die Armee mit Panzern und Soldaten in die Stadt gekommen sei, um eine Inspektion durchzuführen. Er hatte Angst. Er hatte unser ganzes Geld bei sich und versteckte es schließlich irgendwo im Badezimmer. Wir waren uns nicht sicher, ob die Armee auch bis zu den Bauernhöfen kommen würde. Wenige Stunden später hörten wir schwere Gewehrfeuer. Mein Vater war geschockt. Nichts könne solch massive Schusswechsel rechtfertigen. Schon nach wenigen Sekunden klopfte es an der Tür. Ich wagte es hinauszugehen und den Offizier einzuladen uns „zu beehren". Als er hereinkam, sprach ich ihn unterwürfig mit "Mein Herr" an, wie das üblich war. Er fragte mich nach meinem Namen und verlangte meinen Personalausweis. Er wollte wissen, wo mein jüngerer Bruder sei, der sich stark an der Revolution beteiligt hat. Nach dieser Befragung nahmen die Soldaten eines unserer beiden Autos mit, weil es auf den Namen meines jüngsten Bruders registriert war. Sie stahlen bei dieser Gelegenheit auch noch etwas Anderes. Mein Vater und ich verließen danach den Bauernhof. Doch schon wenige Minuten später rief meine Mutter meinen Vater an und bat ihn zurückzukommen. Eine andere Soldatengruppe inspizierte schon wieder unser Haus. Auf dem Weg dorthin wurden wir von einer weiteren Armeeeinheit angehalten. Wir mussten unsere Ausweise herzeigen. Der Name meines Vaters schien auf einer ihrer Liste auf und er wurde sogleich verhaftetet. Es gelang uns einige Tage später seine Freilassung zu erwirken und das beschlagnahmte Auto wiederzuerlangen. Dafür haben wir Bestechungsgelder bezahlt und Beziehungen genutzt. Er kam niedergeschlagen und wütend nach Hause. Seinen Mut konnte man ihm aber nicht nehmen.

Bei dieser ersten von zwei Inspektionen wurde niemand getötet. Die Armee verhaftete viele Intellektuelle wie meinen Vater. Die meisten von ihnen kamen wieder frei, nachdem sie gedemütigt und gefoltert worden waren.

Der Film im Fernsehen lief noch immer. Ich fühlte mich als wäre ich gedopt. Welcher Film ist das eigentlich? Sehe ich gerade einen Film darüber, was vor ein paar Tagen in Saraqib passiert ist? Es schien genau dasselbe Szenario zu sein, aber die Männer waren schwarz und das Land lag offenbar in Afrika. Eine Minderheit, die aus historischen Gründen wütend ist, wurde von einigen ihrer Kriegsfürsten heimlich bewaffnet. Dem steht eine unbewaffnete, verängstige Mehrheit gegenüber. Es finden Durchsuchungen statt, bei denen Soldaten unangemessene Waffengewalt anwenden. Die erhoffte westliche Hilfe kommt nicht oder zu spät. Welcher Film ist das nun? Ich habe den Titel des Films unten am Bildschirm gelesen: "Hotel Ruanda". Ist dasselbe wirklich schon vor 20 Jahren in einem afrikanischen Land passiert? Die Geschichte scheint sich zu wiederholen.


Montag, 11. Juni 2018

War das Assad-Regime der Auslöser der syrischen Revolution oder ihr Opfer?

In diesem Kapitel zeige ich detaillierter auf, was ich im Vorwort das "mysteriöse Verhalten des Assad-Regimes" während der syrischen Krise genannt habe. Ich werde 10 Fakten als Beispiele für dieses mehrdeutige Verhalten anführen und diese kurz beschreiben.
Dieses Verhalten wurde von den Massenmedien  als "bloße Dummheit" oder "die erwartete Reaktion eines Diktators, der versucht, seine Macht zu behaupten" erklärt. Dieser Interpretation stimme ich nicht zu.
Dieser Teil handelt von Fakten, nicht von einer Theorie. Ich habe diese Ereignisse miterlebt und - wenn möglich – zusätzlich Referenzen aus verschiedenen vertrauenswürdigen Quellen hinzugefügt. Ich würde es begrüßen, wenn der Leser diese Fakten auch mit anderen für ihn vertrauenswürdigen Quellen überprüfen würde.
Meine Theorie zur Erklärung des Verhaltens von Assad wird in späteren Kapiteln erörtert. Der Leser kann sich natürlich darüber seine eigene Meinung bilden. Meine Meinung werde ich jedoch mit verschiedenen externen Quellen untermauern.




Während Tausende ausländischer Kämpfer nach Syrien strömten, arbeitete die Armee des syrischen Regimes mit voller Kraft daran, syrische Städte nacheinander zu zerstöre.[1]Das änderte sich nicht, als die russischen Luftstreitkräfte einen Teil der Zerstörungsoperation übernommen hatten[2]. Die Kämpfer überquerten täglich die syrischen Grenzen, bewaffnet mit Tonnen von Waffen und Fahrzeugen. Sie kamen hauptsächlich von den türkischen Grenzen und teilweise von Jordanien, Libanon und Irak. In fast keinem Fall wurden die Konvois der Kämpfer angegriffen. Sie bewegten sich klar und ohne Heraus­forderung. Weder die Luftwaffe des syrischen Regimes noch die der Russen versuchten, sie aufzuhalten.

Weiter und kurz nachdem die Rebellion begann, befreite das Regime Tausende von inhaftierten Radikalen, die im berühmten Gefängnis Sednaya[3] eingesperrt waren. Sydnaya und davor Palmira sind die syrischen Ausgaben des berühmten irakischen Gefängnisses Abu Ghoraib. Sie werden als "Labora­torien zur Herstellung von Terroristen" bezeichnet.
General Khaled Al Mutlak, ein zur Opposition übergelaufener Offizier syrischer Offizier, schrieb in seinem informativen Artikel:
"Das Sednaya-Gefängnis war und ist immer noch eine Arbeit für die Geheimdienste des syrischen Regimes. Es produziert Persönlichkeiten, die gegen das Regime sind, die dem Terrorismus verdächtigt werden und nach ihrer Freilassung die Haupt­instrumente zur Erreichung der Ziele des Assad-Regimes wurden. [...] Sie nahmen die Führungs­positionen der Fraktionen ein, die als Islamisten bezeichnet wurden, mit voller Unterstützung der arabischen und internationalen Geheimdienste. "[4]
General Mutlak nannte einige Beispiele für diese Figuren:

• Abu Lokman, einer der Gründer der Al-Nusra-Front in Syrien, der auch als IS-Führer (Emir) in Al Raqqa [Nord­syrien und die Hauptstadt des IS in Syrien] tätig war.
• Mahmoud Al Kholaif, der Sicherheitsoffizier in ISIS
• Haj Fadel Al Agha, der Beziehungsbeauftragte
• Abu Abdul Rahman Al Hamwi, Führer von Al Nusra in Hama
• Abu Naser Darwasha, der Cousin von Abu Mohammad Al Jawlani, dem Anführer von HTS (Hay'at Tahrir Al Sham, zuvor Al Nusra Front)
• Abu Hafs Al Keswani, der Islamistenführer in Daraa
und andere.

"Der Grund, warum das Regime sie zu Beginn der syrischen Revolution freigelassen hat, war, die Militarisierung des Aufstandes zu vollenden", sagte Naser, der Ende 2012 übergelaufen ist. "Und krimi­nelle Handlungen anzuregen, damit die Revolution den Eindruck eines Kriminalfalls vermitteln wird, dass das Regime gegen Terroristen kämpft [...]“ John Kerry, der scheidende Außenminister [von USA] , sagte im November 2015, ISIS sei "von Assad" geschaffen worden […]. Assads Ziel war es, der Welt zu sagen: "Ich oder die Terro­risten." [5]

Die meisten Analysten, oppositionellen Denker und Autoren stimmen dieser Analyse zu.

Mein Einwand gegen diese einfache Erklärung lautet: Das Assad-Regime hat dieses Ziel innerhalb der ersten zwei Jahre erreicht. An dieser Stelle steht ein großes Fragezeichen. Bis zum Jahr 2013 besetzte der IS weite Teile Syriens und des Irak, belegte mit diesen Aktionen in den Medien und auf den ersten Seiten internationaler Zeitungen viel Platz. Die Syrer hatten genug von den Islamisten und ausländischen Fraktionen. Das Assad-Regime hatte die Berechtigung, die bewaffnete Rebellion zu beenden und seine Kontrolle über Syrien wiederherzustellen. Wie ich in den folgenden Punkten erklären werde, hat das Assad-Regime genau das Gegenteil getan.







1.   

Das Regime hat die bewaffneten Bewegungen klar und systematisch unterstützt und dabei friedliche Aktivitäten brutal unterdrückt:

1.      Zu Beginn der Rebellion erhielten die Rebellen die meisten ihrer Waffen scheinbar vom syrischen Regime. Die Offiziere des Assad-Regimes verkauf­ten den Rebel­len alles, was sie brauchten. Dies erschien zunächst als bloße Korruption. Jeder, der über grundlegende Kenntnisse in syrischen Angelegen­heiten verfügt, weiß jedoch, dass dies ohne grünes Licht des zentralen Kommandos der Geheimdienste des Assad-Regimes nicht möglich ist. Das Risiko ist sehr hoch und die Entdeckung solcher Geschäfte ist fast sicher. Kein vernünftiger Offizier würde so viel für ein paar tausend Dollar riskieren. Das könnte für den Offizier, seine Familie und sogar seinen Clan eine Ewigkeit in der Hölle bedeuten. Nach dem Massaker von Hama 1982 hätte kein Syrer den Mut gehabt, jemandem, der gegen das Regime kämpfte, eine Zigarette zu verkaufen. Selbst wenn man nur mit einer verdächtigen Person sprach, war das ein Verbrechen, geschweige denn Waffen zu verkaufen. Wenn solche Geschäfte regelmäßig unter ähnlichen Bedingungen im ganzen Land stattfinden, kann das nicht zufällig geschehen. Dies ist ein systematischer Prozess mit voller Zustimmung des hohen zentralen Kommandos der Geheimdienste des Assad-Regimes. Die meisten dieser Offiziere, die solche Geschäfte tätigten, zogen in Gebiete, die vom Regime kontrolliert werden, wo sie viele Jahre leben würden. Keiner von ihnen wurde für diese Geschäfte untersucht oder bestraft.


[3] Gleiche Quelle wie oben:
http://www.spiegel.de/international/world/former-prisoners-fight-in-syrian-insurgency-a-927158.html: “Im März 2011 zu Beginn der Aufstände ließ Baschar al-Assad erneut viele Dschihadisten aus den Gefängnissen frei. Gleichzeitig wurden seitdem Zehntausende von syrischen Studenten, liberalen Aktivisten und Menschenrechtlern verhaftet. Erst kürzlich dokumentierte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch einige Schicksale“, was die Annahme nahelegt, das viele willkürlich festgenommen, gefoltert und unfairen Gerichtsprozessen unterzogen wurden.
Ebenso: http://s.telegraph.co.uk/graphics/projects/isis-jihad-syria-assad-islamic/ : Sednaja Gefängnis, nordöstlich von Damaskus, Syrien. Tausende politische Häftlinge wurden hier durch das Regime des Präsidenten Assad festgehalten, es ist zahlreich bezeugt, dass Präsident Bashar al-Assad sich während seiner Herrschaft sehr ambivalent den Dschihadisten gegenüber zeigte. Er ermunterte sie, in den Irak zu gehen, um Zarqawis Al-Qaida-Ableger beizutreten, dem Vorgänger von Isil, und nach 2003 Amerika zu bekämpfen, verhaftete aber dennoch viele bei ihrer Rückkehr nach Hause, sofern sie ihm als ähnliche Bedrohung für seine eigene Herrschaft erschienen. Als der Aufstand in Syrien im Frühjahr 2011 begann, ließ er hunderte von ihnen im Rahmen einer Begnadigung frei. Die Begnadigung, vermeintlich für politische Häftlinge, wurde zu der Zeit als Betrug oder auch zu wenig zu spät angeprangert. Tatsächlich war diese aber einer der wichtigsten politischen Entscheidungen, die Assad traf. Die freigelassenen Häftlinge waren hauptsächlich Islamisten, die sich danach einer Reihe von bewaffneten Gruppen anschlossen oder diese gründeten, während säkuläre und friedliche Demonstranten und Aktivisten weiterhin inhaftiert und ermordet wurden.  (The telegraph 11. Mai 2016).

[4] https://www.syria.tv/content/مختبرات-ترويض-الإرهاب . Mutlak meint, dass "die Geschichte der Herstellung und Vorbereitung dieser Personen unter anderem 2005 begann. Die syrischen Geheimdienste haben ein praktisches Trainingsprogramm zur Vorbereitung von dschiha­dis­ti­schen Islamisten und Zivilisten durchgeführt, die als Teil einer größeren Prüfung des internen Konflikts qualifiziert wurden. Der Ort dieses Tests war das Sydnaya-Gefängnis, wo das Gefängnis nach der ersten Rebellion (27. März 2009), dann die zweite (5. Juni 2008) schrittweise an die islamistischen Gefangenen übergeben wurde".

[5] “Assad Henchman: Here’s How We Built ISIS” a two-year investi­gation by The Daily Beast shows.








Lesen Sie auch:

Wie das türkische Regime die syrische Krise erschuf











The Iraqi Bishop Athanasius Thomas Dawood explains how the Iraqi army left its arsenal to ISIS fighters, as if there was a secret agrrement between them both:


https://www.youtube.com/watch?v=fneJgKBZpOs

Samstag, 9. Juni 2018

Wenn Sie versuchen, die politische Landkarte eines fremden Landes zu lesen


Wenn Sie versuchen, die politische Landkarte eines fremden Landes zu lesen, müssen Sie neben den Wörtern auch die Schreibrichtung lernen. Einige Nationen schreiben von links nach rechts, andere schreiben von unten nach oben. Wenn Sie zwar Vokabel gelernt haben, aber weiterhin darauf bestehen von links nach rechts zu lesen, würden Sie dennoch fast nichts verstehen.

Wenn mir jemand Fragen stellt wie: "Ist Assads Regime säkular oder islamistisch?" oder „Wie viel hat Assad bei den letzten Wahlen bekommen?", antwortete ich: "Wissen Sie was? Es gibt keine richtige Antwort darauf. Die Frage ist falsch gestellt".