Montag, 18. Juni 2018

Warum die syrische Tragödie anders ist als jede andere Tragödie, die die Menschheit erlebt hat



Wenn das Wort "Krieg" verwendet wird, können einige glorreiche Szenen in den Sinn kommen. Man kann bei Kriegen an jene historischen Kämpfe denken, in denen junge Männer zusammentrafen, um ihre Stärke zu demonstrieren und sich die Anführer bemühten, ihre Intelligenz zu zeigen. Wir alle gehen ins Kino, um Filme über solche Kriege zu sehen. Wir erzählen Kindern Geschichten darüber. Ich finde daher das Wort "Krieg" viel zu romantisch, wenn ich versuche zu beschreiben, was in Syrien passiert. In dieser Tragödie wurden keine Fähigkeiten demonstriert, sondern Krankenhäuser, Kinder und Zivilisten in Haufen von Gliedmaßen und Blut verwandelt. Die Anführer der kämpfenden Gruppen sind hingegen nur selten aneinandergeraten und haben kaum  etwas verloren. Sie werden am Ende des Krieges alle sicher als Gewinner mit dickeren Brieftaschen nach Hause kommen, während Millionen von Zivilisten vertrieben wurden. Unzählige Fälle von Folter haben sich ereignet, zahllose Gliedmaßen wurden verstümmelt, Augen ausgestochen und Köpfe abgeschnitten. Der Krieg war nicht darauf ausgerichtet für etwas Bestimmtes zu kämpfen. Es gab kein Land, keine Rohstoffe oder strategische Positionen, die gewonnen werden konnten. Dieser Krieg wurde entworfen, um eine der tragischsten Episoden der Menschheitsgeschichte zu schaffen.
Es ist nicht nur die Anzahl der Opfer, die diese Tragödie zu einem der hässlichsten Kriege der Geschichte gemacht hat. Er passierte in einer Zeit, als man dachte die Welt sei gereift. Es gibt ausgeklügelte internationale Rechtssysteme, die von Nationen und Organisationen entwickelt wurden. Man konnte annehmen, dass ein solcher Krieg auf diesem Planeten nicht mehr möglich sei. Die Massaker in Ruanda oder im Kosovo lagen schon länger zurück. Damals machte die Menschheit noch ein Nickerchen. Die Zeiten hätten inzwischen sich geändert, dachte man, und die internationale Gemeinschaft wurde endlich erwachsen. Ihre Ethik schien nun entwickelt genug. Man konnte hoffen, dass solche Ereignisse nur mehr in Geschichtsbüchern zu finden wären. Zumindest haben sich die Syrer das gedacht bzw. wurden sie dazu gebracht es zu glauben.
Die Millionen von Demonstranten, die auf die Straße gingen, hatten eine Vielzahl von Gründen, sich gegen ein so korruptes und mörderisches Regime zur Wehr zu setzen. Allerdings hatten sie zuvor auch jahrzehntelang Gründe genug, um diesen Schritt nicht zu tun. Die Syrer waren keineswegs ahnungslos, was die Ethik oder besser gesagt „Nicht-Ethik“ ihres Regimes und dessen grenzenlose Brutalität betraf. Genau genommen waren sie sich den Werten des Regimes und seiner Verbündeten spätestens seit 1982 bewusst und sie waren auch nicht so dumm, sich bezüglich der Waffenlager ihrer Regierung zu verkalkulieren . 
Jedenfalls ein Teil der Syrer ist in der Revolution gegen das Regime gerade deshalb aktiv geworden, weil man sich auf die angebliche zivilisatorische Reife der Nationen und Organisationen auf der ganzen Welt verlassen hat.
Wichtig ist zu wissen, dass dieses Vertrauen  nicht spontanen Ursprungs war, sondern systematisch aufgebaut wurde.
Erklärungen von Politikern wie Obama, und Erdogan sowie europäischen Regierungschefs schafften Vertrauen. Wenn man diese Signale in den Jahren vor der Krise verfolgt, besteht kein Zweifel daran, dass es sich um keinen Zufall handelte .
Lag eine Verschwörung gegen das syrische Regime vor? Der Schein trügt!
Das Regime von Assad war selbst ein Teil dieser Verschwörung. Alle seine Taten trugen dazu bei.
Die Berichterstattung in den Medien erklärte die ungerechtfertigte Gewalt des Assad-Regimes als eine Art Faschismus, Sadismus oder politische Dummheit. Wenn Sie weiterlesen, werden Sie verstehen, warum diese Erklärung nicht ausreichend ist.
Assad ist nicht der einzige Spieler in diesem Spiel. Er ist kein Diktator, der losgelöst von anderen Mächten agiert.
Er ist mit den mächtigsten Geheimdiensten der Welt verbunden. Sein Regime ist Bestandteil ein internationales Machkartells. Die Besitzer dieses Unternehmens überlassen die Sicherheit dieses Imperiums nicht der Dummheit eines Diktators. Alle Handlungen waren bewusst gewählt und kamen nicht zufällig zustande. 
Das werde ich auf den folgenden Seiten dieses Buches erklären.





Das Meiste, das Sie in den Medien gelesen oder gehört haben, ist zu 100% zutreffend. Aber WIE und WANN Sie die Berichte übermittelt bekommen, darin liegt die Manipulation!






Um die Aussagen zusammenzufassen





Excerpted from The Jimmy Dore Show
MSNBC Panel On Syria with Jeffrey Sachs, professor of sustainable development and health policy at Columbia University,
The original video can be watched here:
https://www.youtube.com/watch?v=_O2TRzA2ezk&feature=youtu.be




[1] 10. Juni 2011, sagte Erdogan über den türkischen Kanal ATV: "Die Situation in Syrien für die Türkei ist nicht so wie in Libyen. Syrien ist fast wie eine interne Angelegenheit (für die Türkei). Wir haben eine 800 bis 900 Kilometer lange Grenze. Wir haben Verwandte dort. Die Türkei kann das wiederholte Massaker von Hama nicht akzeptieren. http://archive.arabic.cnn.com/2011/syria.2011/6/10/turkey.syria/

Zwei Jahre später erschien Erdogan wieder und wiederholte den gleichen Monolog. Zu dieser Zeit überstiegen die syrischen Opfer dieses Spiels die dreifache Zahl des Massakers von Hama. Erdogan schien jedoch nicht zu bedauern oder zu entschuldigen. Er sah eher wie ein Schauspieler aus, der seine Leistung so behält, wie sie für ihn geschrieben wurde.
Diese Theaterszene setzte sich in dem gleichen Moment fort, bis diese Zeilen geschrieben wurden. Die Propagandakanäle, die hauptsächlich von Katar finanziert werden, hörten nicht auf, ihn zu loben als "den Führer, der die Syrer nicht im Stich ließ".
Dies blieb während der 8 Jahre der syrischen Tragödie ohne Unterbrechung, selbst nach 600.000 Toten, 10 Millionen Vertriebenen und unbekannten Schäden und Verlusten.

19. August 2011, Obama sagte "Assad muss zurücktreten"
"USA, Europa fordern, dass der syrische Führer Al-Assad zurücktritt"
"Außenministerin Clinton sagt, der syrische Präsident Assad muss gehen"

22.11.2011 Reuters: "Der türkische Premierminister ruft den syrischen Präsidenten Assad zum Rücktritt auf. Während die Türkei eine Intervention von außen ablehnt, hat sie sich mit syrischen Oppositionsgruppen getroffen und erlaubt ihnen, sich in türkischen Städten zu treffen. Es hat auch den Überläufern der syrischen Armee Zuflucht gewährt, bestreitet jedoch, dass es einen bewaffneten Widerstand unterstützt. Türkische Zeitungen zitierten am Wochenende Beamte, die sagten, die Türkei könne eine Flugverbotszone auf syrischem Territorium einrichten, um die Bevölkerung vor Assads Sicherheitskräften zu schützen, um einen möglichen Massenexodus von Flüchtlingen aus Syrien abzuwenden.
Der türkische Premierminister Tayyip Erdogan hat am Dienstag den syrischen Präsidenten aufgefordert, zurückzutreten und Damaskus 'Vorgehen gegen Demonstranten mit der Taktik des nationalsozialistischen Deutschland zu vergleichen. "

16. Mai 2013, "Obama und Erdogan: Syriens Assad muss gehen"

Die Rede war kurz nachdem Obamas sogenannte "rote Linie" überschritten wurde, in der Assad Berichten zufolge die Chemiewaffen einsetzte, wie die amerikanischen Ermittlungen bewiesen haben.

Bis zum Zeitpunkt des Schreibens dieser Zeilen, nach 8 Jahren des Beginns der Tragödie, geht das Spiel in seiner gleichen Wucht weiter.

Sonntag, 17. Juni 2018

Widmung


Für sie:

Den Opfern der Kriegsfürsten, die außer dem Blut, den Gliedmaßen, der Zukunft und den Träumen dieser Kinder kein anderes Geschäft finden konnten.





Erinnerungen an den Sommer 2011 in Saraqib, Nordsyrien


Es war unerträglich heiß. Ich wachte morgens in unserem Bauernhof auf, der drei Kilometer vom Stadtzentrum von Saraqib entfernt liegt. Ich schaltete den Fernseher ein. Es lief gerade ein Film. Ich schaute diesen Sender regelmäßig, um mein Englisch zu verbessern. Ich war noch immer in einem Zustand der Benommenheit. In Saraqib war in den letzten Tagen Schlimmes geschehen.

Vor einigen Tagen kam mein Vater morgens zur gleichen Uhrzeit zu mir und sagte, dass die Armee mit Panzern und Soldaten in die Stadt gekommen sei, um eine Inspektion durchzuführen. Er hatte Angst. Er hatte unser ganzes Geld bei sich und versteckte es schließlich irgendwo im Badezimmer. Wir waren uns nicht sicher, ob die Armee auch bis zu den Bauernhöfen kommen würde. Wenige Stunden später hörten wir schwere Gewehrfeuer. Mein Vater war geschockt. Nichts könne solch massive Schusswechsel rechtfertigen. Schon nach wenigen Sekunden klopfte es an der Tür. Ich wagte es hinauszugehen und den Offizier einzuladen uns „zu beehren". Als er hereinkam, sprach ich ihn unterwürfig mit "Mein Herr" an, wie das üblich war. Er fragte mich nach meinem Namen und verlangte meinen Personalausweis. Er wollte wissen, wo mein jüngerer Bruder sei, der sich stark an der Revolution beteiligt hat. Nach dieser Befragung nahmen die Soldaten eines unserer beiden Autos mit, weil es auf den Namen meines jüngsten Bruders registriert war. Sie stahlen bei dieser Gelegenheit auch noch etwas Anderes. Mein Vater und ich verließen danach den Bauernhof. Doch schon wenige Minuten später rief meine Mutter meinen Vater an und bat ihn zurückzukommen. Eine andere Soldatengruppe inspizierte schon wieder unser Haus. Auf dem Weg dorthin wurden wir von einer weiteren Armeeeinheit angehalten. Wir mussten unsere Ausweise herzeigen. Der Name meines Vaters schien auf einer ihrer Liste auf und er wurde sogleich verhaftetet. Es gelang uns einige Tage später seine Freilassung zu erwirken und das beschlagnahmte Auto wiederzuerlangen. Dafür haben wir Bestechungsgelder bezahlt und Beziehungen genutzt. Er kam niedergeschlagen und wütend nach Hause. Seinen Mut konnte man ihm aber nicht nehmen.

Bei dieser ersten von zwei Inspektionen wurde niemand getötet. Die Armee verhaftete viele Intellektuelle wie meinen Vater. Die meisten von ihnen kamen wieder frei, nachdem sie gedemütigt und gefoltert worden waren.

Der Film im Fernsehen lief noch immer. Ich fühlte mich als wäre ich gedopt. Welcher Film ist das eigentlich? Sehe ich gerade einen Film darüber, was vor ein paar Tagen in Saraqib passiert ist? Es schien genau dasselbe Szenario zu sein, aber die Männer waren schwarz und das Land lag offenbar in Afrika. Eine Minderheit, die aus historischen Gründen wütend ist, wurde von einigen ihrer Kriegsfürsten heimlich bewaffnet. Dem steht eine unbewaffnete, verängstige Mehrheit gegenüber. Es finden Durchsuchungen statt, bei denen Soldaten unangemessene Waffengewalt anwenden. Die erhoffte westliche Hilfe kommt nicht oder zu spät. Welcher Film ist das nun? Ich habe den Titel des Films unten am Bildschirm gelesen: "Hotel Ruanda". Ist dasselbe wirklich schon vor 20 Jahren in einem afrikanischen Land passiert? Die Geschichte scheint sich zu wiederholen.


Montag, 11. Juni 2018

War das Assad-Regime der Auslöser der syrischen Revolution oder ihr Opfer?

In diesem Kapitel zeige ich detaillierter auf, was ich im Vorwort das "mysteriöse Verhalten des Assad-Regimes" während der syrischen Krise genannt habe. Ich werde 10 Fakten als Beispiele für dieses mehrdeutige Verhalten anführen und diese kurz beschreiben.
Dieses Verhalten wurde von den Massenmedien  als "bloße Dummheit" oder "die erwartete Reaktion eines Diktators, der versucht, seine Macht zu behaupten" erklärt. Dieser Interpretation stimme ich nicht zu.
Dieser Teil handelt von Fakten, nicht von einer Theorie. Ich habe diese Ereignisse miterlebt und - wenn möglich – zusätzlich Referenzen aus verschiedenen vertrauenswürdigen Quellen hinzugefügt. Ich würde es begrüßen, wenn der Leser diese Fakten auch mit anderen für ihn vertrauenswürdigen Quellen überprüfen würde.
Meine Theorie zur Erklärung des Verhaltens von Assad wird in späteren Kapiteln erörtert. Der Leser kann sich natürlich darüber seine eigene Meinung bilden. Meine Meinung werde ich jedoch mit verschiedenen externen Quellen untermauern.




Während Tausende ausländischer Kämpfer nach Syrien strömten, arbeitete die Armee des syrischen Regimes mit voller Kraft daran, syrische Städte nacheinander zu zerstöre.[1]Das änderte sich nicht, als die russischen Luftstreitkräfte einen Teil der Zerstörungsoperation übernommen hatten[2]. Die Kämpfer überquerten täglich die syrischen Grenzen, bewaffnet mit Tonnen von Waffen und Fahrzeugen. Sie kamen hauptsächlich von den türkischen Grenzen und teilweise von Jordanien, Libanon und Irak. In fast keinem Fall wurden die Konvois der Kämpfer angegriffen. Sie bewegten sich klar und ohne Heraus­forderung. Weder die Luftwaffe des syrischen Regimes noch die der Russen versuchten, sie aufzuhalten.

Weiter und kurz nachdem die Rebellion begann, befreite das Regime Tausende von inhaftierten Radikalen, die im berühmten Gefängnis Sednaya[3] eingesperrt waren. Sydnaya und davor Palmira sind die syrischen Ausgaben des berühmten irakischen Gefängnisses Abu Ghoraib. Sie werden als "Labora­torien zur Herstellung von Terroristen" bezeichnet.
General Khaled Al Mutlak, ein zur Opposition übergelaufener Offizier syrischer Offizier, schrieb in seinem informativen Artikel:
"Das Sednaya-Gefängnis war und ist immer noch eine Arbeit für die Geheimdienste des syrischen Regimes. Es produziert Persönlichkeiten, die gegen das Regime sind, die dem Terrorismus verdächtigt werden und nach ihrer Freilassung die Haupt­instrumente zur Erreichung der Ziele des Assad-Regimes wurden. [...] Sie nahmen die Führungs­positionen der Fraktionen ein, die als Islamisten bezeichnet wurden, mit voller Unterstützung der arabischen und internationalen Geheimdienste. "[4]
General Mutlak nannte einige Beispiele für diese Figuren:

• Abu Lokman, einer der Gründer der Al-Nusra-Front in Syrien, der auch als IS-Führer (Emir) in Al Raqqa [Nord­syrien und die Hauptstadt des IS in Syrien] tätig war.
• Mahmoud Al Kholaif, der Sicherheitsoffizier in ISIS
• Haj Fadel Al Agha, der Beziehungsbeauftragte
• Abu Abdul Rahman Al Hamwi, Führer von Al Nusra in Hama
• Abu Naser Darwasha, der Cousin von Abu Mohammad Al Jawlani, dem Anführer von HTS (Hay'at Tahrir Al Sham, zuvor Al Nusra Front)
• Abu Hafs Al Keswani, der Islamistenführer in Daraa
und andere.

"Der Grund, warum das Regime sie zu Beginn der syrischen Revolution freigelassen hat, war, die Militarisierung des Aufstandes zu vollenden", sagte Naser, der Ende 2012 übergelaufen ist. "Und krimi­nelle Handlungen anzuregen, damit die Revolution den Eindruck eines Kriminalfalls vermitteln wird, dass das Regime gegen Terroristen kämpft [...]“ John Kerry, der scheidende Außenminister [von USA] , sagte im November 2015, ISIS sei "von Assad" geschaffen worden […]. Assads Ziel war es, der Welt zu sagen: "Ich oder die Terro­risten." [5]

Die meisten Analysten, oppositionellen Denker und Autoren stimmen dieser Analyse zu.

Mein Einwand gegen diese einfache Erklärung lautet: Das Assad-Regime hat dieses Ziel innerhalb der ersten zwei Jahre erreicht. An dieser Stelle steht ein großes Fragezeichen. Bis zum Jahr 2013 besetzte der IS weite Teile Syriens und des Irak, belegte mit diesen Aktionen in den Medien und auf den ersten Seiten internationaler Zeitungen viel Platz. Die Syrer hatten genug von den Islamisten und ausländischen Fraktionen. Das Assad-Regime hatte die Berechtigung, die bewaffnete Rebellion zu beenden und seine Kontrolle über Syrien wiederherzustellen. Wie ich in den folgenden Punkten erklären werde, hat das Assad-Regime genau das Gegenteil getan.







1.   

Das Regime hat die bewaffneten Bewegungen klar und systematisch unterstützt und dabei friedliche Aktivitäten brutal unterdrückt:

1.      Zu Beginn der Rebellion erhielten die Rebellen die meisten ihrer Waffen scheinbar vom syrischen Regime. Die Offiziere des Assad-Regimes verkauf­ten den Rebel­len alles, was sie brauchten. Dies erschien zunächst als bloße Korruption. Jeder, der über grundlegende Kenntnisse in syrischen Angelegen­heiten verfügt, weiß jedoch, dass dies ohne grünes Licht des zentralen Kommandos der Geheimdienste des Assad-Regimes nicht möglich ist. Das Risiko ist sehr hoch und die Entdeckung solcher Geschäfte ist fast sicher. Kein vernünftiger Offizier würde so viel für ein paar tausend Dollar riskieren. Das könnte für den Offizier, seine Familie und sogar seinen Clan eine Ewigkeit in der Hölle bedeuten. Nach dem Massaker von Hama 1982 hätte kein Syrer den Mut gehabt, jemandem, der gegen das Regime kämpfte, eine Zigarette zu verkaufen. Selbst wenn man nur mit einer verdächtigen Person sprach, war das ein Verbrechen, geschweige denn Waffen zu verkaufen. Wenn solche Geschäfte regelmäßig unter ähnlichen Bedingungen im ganzen Land stattfinden, kann das nicht zufällig geschehen. Dies ist ein systematischer Prozess mit voller Zustimmung des hohen zentralen Kommandos der Geheimdienste des Assad-Regimes. Die meisten dieser Offiziere, die solche Geschäfte tätigten, zogen in Gebiete, die vom Regime kontrolliert werden, wo sie viele Jahre leben würden. Keiner von ihnen wurde für diese Geschäfte untersucht oder bestraft.


[3] Gleiche Quelle wie oben:
http://www.spiegel.de/international/world/former-prisoners-fight-in-syrian-insurgency-a-927158.html: “Im März 2011 zu Beginn der Aufstände ließ Baschar al-Assad erneut viele Dschihadisten aus den Gefängnissen frei. Gleichzeitig wurden seitdem Zehntausende von syrischen Studenten, liberalen Aktivisten und Menschenrechtlern verhaftet. Erst kürzlich dokumentierte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch einige Schicksale“, was die Annahme nahelegt, das viele willkürlich festgenommen, gefoltert und unfairen Gerichtsprozessen unterzogen wurden.
Ebenso: http://s.telegraph.co.uk/graphics/projects/isis-jihad-syria-assad-islamic/ : Sednaja Gefängnis, nordöstlich von Damaskus, Syrien. Tausende politische Häftlinge wurden hier durch das Regime des Präsidenten Assad festgehalten, es ist zahlreich bezeugt, dass Präsident Bashar al-Assad sich während seiner Herrschaft sehr ambivalent den Dschihadisten gegenüber zeigte. Er ermunterte sie, in den Irak zu gehen, um Zarqawis Al-Qaida-Ableger beizutreten, dem Vorgänger von Isil, und nach 2003 Amerika zu bekämpfen, verhaftete aber dennoch viele bei ihrer Rückkehr nach Hause, sofern sie ihm als ähnliche Bedrohung für seine eigene Herrschaft erschienen. Als der Aufstand in Syrien im Frühjahr 2011 begann, ließ er hunderte von ihnen im Rahmen einer Begnadigung frei. Die Begnadigung, vermeintlich für politische Häftlinge, wurde zu der Zeit als Betrug oder auch zu wenig zu spät angeprangert. Tatsächlich war diese aber einer der wichtigsten politischen Entscheidungen, die Assad traf. Die freigelassenen Häftlinge waren hauptsächlich Islamisten, die sich danach einer Reihe von bewaffneten Gruppen anschlossen oder diese gründeten, während säkuläre und friedliche Demonstranten und Aktivisten weiterhin inhaftiert und ermordet wurden.  (The telegraph 11. Mai 2016).

[4] https://www.syria.tv/content/مختبرات-ترويض-الإرهاب . Mutlak meint, dass "die Geschichte der Herstellung und Vorbereitung dieser Personen unter anderem 2005 begann. Die syrischen Geheimdienste haben ein praktisches Trainingsprogramm zur Vorbereitung von dschiha­dis­ti­schen Islamisten und Zivilisten durchgeführt, die als Teil einer größeren Prüfung des internen Konflikts qualifiziert wurden. Der Ort dieses Tests war das Sydnaya-Gefängnis, wo das Gefängnis nach der ersten Rebellion (27. März 2009), dann die zweite (5. Juni 2008) schrittweise an die islamistischen Gefangenen übergeben wurde".

[5] “Assad Henchman: Here’s How We Built ISIS” a two-year investi­gation by The Daily Beast shows.








Lesen Sie auch:

Wie das türkische Regime die syrische Krise erschuf











The Iraqi Bishop Athanasius Thomas Dawood explains how the Iraqi army left its arsenal to ISIS fighters, as if there was a secret agrrement between them both:


https://www.youtube.com/watch?v=fneJgKBZpOs

Sonntag, 10. Juni 2018

Die rätselhafte Rolle von Katar und anderen GCC-Staaten in der syrischen Krise



Die Rolle von Katar in der syrischen Krise ist eine der rätselhaftesten. Ich verstehe die Gewinne, die Länder wie die Türkei oder Russland durch ihre Intervention in Syrien erzielen. Andere Länder wie die Vereinigten Staaten, Frankreich oder Großbritannien haben eine lange Geschichte der Geheimdienstarbeit und eine kolonialisierende Mentalität. Ihr Eingreifen ist auch verständlich. Jedoch ist die Rolle von Katar und anderen arabischen Golfstaaten sehr rätselhaft und nicht komplett klar.


 


 

"Die Führer von Doha waren besonders ermutigt durch die Revolte in Libyen, wo Katar die führende Rolle der Araber in der NATO-geführten Intervention gespielt hatte."
"Ob in Bezug auf Rüstung oder finanzielle Unterstützung für Deserteure, diplomatisches Manövrieren oder Lobbying, Katar hat die Führung übernommen, indem sie  ihren gasproduzierten Reichtum in die Verfolgung des Untergangs des Hauses Assad hinein steckent."
 "Katars Einfluss auf die militärische Versorgung der (syrischen) Rebellion könnte abnehmen, da seine Rolle bei Waffenlieferungen an zweiter Stelle gegenüber Saudi-Arabien steht. [...] Mustafa Sabbagh [...] gilt als der mächtigste Mann in der politischen Opposition. Der 48-jährige Generalsekretär der „National Coalition“, der Eigentümer eines Baustoff- und Contractingunternehmens, [...] überwacht das Budget der Koalition, für das die Katarer die größten Geber sind. Sie sind  " (für dass) Schreiben der Schecks verantwortlich " sagt ein westlicher Beamter.
Obwohl er sowohl von Freunden als auch von Kritikern als kluger Mann gesehen wurde, der an die geschäftstüchtige Einstellung der Qatar-Beamten appellierte, geriet Sabbagh in die Kritik, weil er seine Position angeblich dazu benutzt hatte, die Opposition und den weiteren katarischen Einfluss zu kontrollieren. [...] Die Dominanz der Opposition in Katar blieb auch nach der Koalition bestehen. Gewiss, die Muslimbruderschaft war nicht länger die Hauptkomponente, aber ein neuer Block von mehr als einem Dutzend Mitgliedern, der von Sabbagh als Vertreter der lokalen Gemeinschaften in Syrien eingebracht wurde, löste neue Unstimmigkeiten aus. Es wurde als ein weiterer Block gesehen, der gegenüber Katar loyal war. Jedes dieser Mitglieder sollte einen Gemeinderat in den verschiedenen syrischen Provinzen vertreten, und zusammen erhielten die Räte bald nach der Bildung der Koalition 8 Millionen Dollar von Katar. Katar war auch das erste - und möglicherweise das einzige - Land, das Mittel in Höhe von 20 Millionen US-Dollar für das Koalitionsbudget zur Verfügung stellte. Es lieferte die ersten 10 Millionen US-Dollar für ein 100 Millionen US-Dollar-Paket für die neue humanitäre Hilfsorganisation der Organisation.“ [1]



Zu Beginn der Revolution gab es viele Analysen von Rednern und Autoren, die das Eingreifen Katars und seiner Achsen mit Geschichten über Gas- und Ölpipelines erklärten. Es gab viele Gerüchte, die den Eindruck erweckten, dass dies die Wahrheit  war. Das hat aber den syrischen Rebellen nichts ausgemacht. Sie wollten  das Assad-Regime um jeden Preis stürzen. Sie wollten diese langen Jahrzehnte der Diktatur beenden und wussten, dass dies ohne internationale Hilfe nicht möglich war. Selbst wenn wir eine solche Erklärung akzeptieren, wie könnten wir andere Kriege wie die Kriege im Jemen erklären, wo es keine Gas- oder Ölpipelines gibt. Diese Kriege wurden von denselben Ländern zur gleichen Zeit mit den gleichen Werkzeugen und Methoden geschaffen.

Wenn es im Krieg um Gas oder Öl ging, sollten und könnten sich Assad und Russland ganz anders verhalten. Zumindest würden sie keine Babys töten oder die friedlichen Unschuldigen foltern müssen. Diese Anzeichen deuteten darauf hin, dass die Wahrheit irgendwo anders liegt als Öl, Gas oder eines der ähnlichen klassischen Ziele von regulären Kriegen.

Eine andere Erklärung geht davon aus, dass diese Länder, die von konservativen Regimen regiert werden, ständige "heilige Kriege" brauchen, um die Extremisten loszuwerden, die ihre Stabilität und Legitimität bedrohen könnten. Kriege wie Syrien, Afghanistan, der Irak, Bosnien und Thailand boten eine große Chance, Tausende von radikalen Kämpfern an Orte zu schicken, an denen sie glücklich sterben würden.

Dies könnte auch ein interessanter Punkt für westliche Länder sein. Die ständige Existenz von heiligen Kriegen trug in mancherlei Hinsicht zur Arbeit der westlichen Geheimdienste bei, entweder indem sie den "Freund-Regimes" wie den arabischen Golfstaaten halfen oder die Extremisten und ihre Aktivitäten beobachteten. Die täglichen Szenen in den Medien, die Radikale provozieren und ihr Fass zum überlaufen bringt, waren für diese Dienste sehr hilfreich.
Ich werde diesen Punkt auch noch auf eine andere Art und Weise erklären, um dies zu verdeutlichen, da es in dieser Hinsicht entscheidend ist. Wenn diese Kriege nicht religiöser oder konfessioneller Natur wären, würden sie diese radikalen Elemente nicht anziehen. Wenn diese Kriege nur klassische Kriege aus Öl-, Gas- oder wirtschaftlichen Gründen wären, ohne tägliche Nachrichten und Szenen von Vergewaltigung und Tötung von Kindern und ohne systematisch verbreitete Nachrichten, würden sie keine Milliarden von Dollar an Spenden aus der ganzen Welt anziehen. Dieses Geld, das von Einzelpersonen, Regierungen und Organisationen gespendet wird, wird nicht in den Taschen der Syrer enden. Es wird auf Bankkonten in der Türkei landen oder irgendwo auf dem Weg verschwinden.


Länder wie Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate sind kleine Länder mit nur  kurzer Erfahrung mit Nachrichtendiensten. Außerdem haben sie genug Geld und müssen nicht in solche Industrien investieren, d.h. In die Rüstungsindustrie. War ihr Verhalten nur eine spontane Reaktion, motiviert durch einen abenteuerlichen Impuls, welcher zu einer Kettenreaktion führte? ? Waren sie Stellvertreter für andere Mächte, die sich hinter ihnen versteckt hatten und sie belehrten?
Wenn wir einen Schritt weiter gehen, könnten wir annehmen dass  diese Kriege durch einige Komplexe Kartelle motiviert und vorangetrieben werden, die direkt von ihnen profitieren. Die Rechnungen solcher Kriege werden von den Steuerzahlern einiger Länder bezahlt, während das Geld auf dem Bankkonto eines engen Kreises von Waffenherstellern und Sicherheitsfirmen landet.

"Katars herrschende Familie, die Al-Thanis, haben keine ideologische oder religiöse Affinität zu den Islamisten - sie sind einfach nicht wählerisch in Bezug auf die Überzeugungen, die von nützlichen Freunden gehalten werden. Katar hat die Muslimbruderschaft in Ägypten und Tunesiens und die islamistische al-Nahda-Partei unterstützt, die nach den Volksaufständen die ersten Wahlen gewann. " " Es ist diese Art von Dynamik und Risikobereitschaft auf Exekutiv-Ebene, die es Doha ermöglicht hat eine Regionalmacht zu werden, nur ein paar Jahre nachdem es ein diplomatischer Niemand war. "
"[Katar] war Gastgeber der größten militärischen Luftwaffenbasis der USA in der Region, unter Beibehaltung der herzlichen Beziehungen mit dem Iran; Sie unterhielten Kontakte zu Israel und unterstützten gleichzeitig die palästinensische Gruppe Hamas und die libanesische Hisbollah. "
"Eine Person, die das Denken des Emirs beeinflusst hat, ist Azmi Bishara, ein bekannter ehemaliger arabischer israelischer Parlamentsabgeordneter, der in Katar ins Exil geschickt wurde [...] Als Berater des Emirs und Kronprinzen wurde Bishara in Doha so etwas wie ein höfischer Intellektueller. Er soll an der Gründung der Syrischen Nationalen Koalition beteiligt gewesen sein, die heute die wichtigste Oppositionsgruppe ist, und dazu benutzt worden sein soll, um Oppositionelle zu "testen". [...] (Bishara war nicht für einen Kommentar verfügbar.) "[2]

Das Magazin Financial Times veröffentlichte einen sehr interessanten Bericht über die katarische Rolle in Syrien, der einige Jahre vor der Revolution bis zu den jüngsten Ereignissen begann.
Ich zitiere aus diesem Bericht die wichtigsten Meilensteine dieser Rolle, möchte jedoch die Aufmerksamkeit des Lesers auf ein wichtiges Thema lenken.
Was der Bericht beschreibt, ist nicht auf das katarische Verhalten in Syrien beschränkt. Wenn wir die Rolle von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten in Ländern wie Ägypten, der Türkei, den Balkanstaaten, dem Jemen usw. untersuchen, sehen wir ein sehr  ähnliches Szenario ...
Mit etwas Anpassung an die Bedingungen jedes Landes sind die Praktiken und Werkzeuge die gleichen. Diese Instrumente basieren hauptsächlich auf der Invasion des Ziellandes mit Investitionen in Medien, dem Finanzsektor, Spionageagenten, versteckt unter falaschen Titeln wie Wohltätigkeitsorganisationen, Geschäftsleuten und einer riesigen Tourismusbewegung ...

Ø  "Es ist noch nicht lange her, dass Baschar al-Assad und seine Frau Asma regelmäßige Gäste in Doha waren, als Gäste des Emirs und seiner zweiten Frau Sheikha Moza. Qatari Institutionen waren große Investoren in Syrien, mit einer 5 Milliarden Dollar schweren gemeinsamen Unternehmen, das 2008 gegründet wurde, um alles von Kraftwerken bis zu Hotels zu entwickeln.
Ø  „Der Emir setzte sich auch für die internationale Rehabilitierung von Assad während seiner allmählichen Ausgrenzung durch die USA, Europa und seine arabischen Kollegen ein; Sheikh Hamad war maßgeblich an der Wiederherstellung der syrischen Beziehungen zu Frankreich in den Jahren vor dem Aufstand beteiligt, als er den ehemaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy als Freund zählte. Damals war Syrien Teil eines Bündnisses - mit dem Iran und der libanesischen Hisbollah ".
Ø  "Während der blutigste Konflikt in der arabischen Welt weitergeht, hat sich Katar als treibende Kraft herauskristallisiert: Dutzende Millionen Dollar für die Aufrüstung der Rebellen. Aber Katar wird auch beschuldigt, sie geteilt zu haben [...] Katar hat viel Geld dazu beigetragen - von rebellischen und neutralen Quellen geschätzt auf etwa 1 Milliarde Dollar, aber von Leuten mit Nähe zur Qatar-Regierung auf bis zu 3 Milliarden Dollar . "
Ø  "Aber die militärische Pattsituation des syrischen Aufstandes [...] hat auch die Rücksichtslosigkeit und politische Ohnmacht aufgedeckt, die letztendlich die Ziele Katars untergraben.
"Die Katarer sind überfordert [...]", kommentiert ein anderer Diplomat.
Ø  "Da die Katarer versucht haben, die politische Opposition zu vereinen, indem sie sich für die Bildung der syrischen Nationalen Koalition (der Hauptfront) eingesetzt haben, wurden sie beschuldigt, sie zu spalten - genauso wie ihre Bemühungen, eine zersplitterte Rebellenarmee in eine kohärentere Form zu verwandeln, welche die  Brigaden unter einem Kommando  vereinigt hätte,was ebenfalls  zu seiner Inkohärenz beigetrage hat."
Ø  "Anfang 2012, als friedliche Proteste einer bewaffneten Opposition gewichen waren, suchte Katar nach leichten Waffen, kaufte Waffen in Libyen und in osteuropäischen Staaten und flog sie in die Türkei, wo die Geheimdienste ihnen dabei halfen, sie über die Grenze zu bringen. Zuerst sagten Leute mit direktem Wissen über die Waffenlieferungen, Katar arbeitete durch den türkischen Geheimdienst, um Empfänger zu identifizieren, und dann, als sich Saudi-Arabien den verdeckten militärischen Bemühungen anschloss, durch libanesische Vermittler. Das internationaleFriedensforschungsinstitut in Stockholm, das die Waffentransfers verfolgt, sagt, dass zwischen April 2012 und März dieses Jahres mehr als 70 militärische Frachtflüge von Katar in der Türkei gelandet sind. "
"Im Verlauf des Konflikts arbeiteten die Qataris über Mitglieder der im Exil lebenden Muslimbruderschaft daran, Rebellenfraktionen zu identifizieren, die unterstützt werden sollten. Zum Beispiel, so sagen sie,  haben sie sich mit den Brigaden von Farouq verbunden, eine der größten Mainstream-Fraktionen. Unterdessen sagten Oppositionsquellen, die Katarer hätten auch eigene Spezialeinheiten entsandt, um aufständische Gruppen zu finden.  Leute, die im Waffengeschäft tätig sind, sagen, dass ein katarischer General der Hauptmann bei Waffenlieferungen gewesen sei und in den eingerichteten "Operationsraum" eingereist ist; Zuerst in Istanbul und dann in Ankara."[3]