Freitag, 14. April 2017

Das Assad-Regime als Auslöser der Revolution

Ich werde diesen Artikel mit der Auflistung mehrerer Beweise und Fakten beginnen, die belegen, dass das Assad-Regime nicht nur „das korrupte Regime war, das Angst vor einer Revolution hatte und schwer daran arbeitete, eine Revolution zu vermeiden, und als diese doch begann, damit anfing Menschen wahllos und brutal zu töten“, wie es immer gerne behauptet wurde. Genau diese (falsche) Aussage propagierten und verbreiteten die internationalen klassischen Medien fortwährend. Vielmehr werden die folgenden Tatsachen hinreichend untermauern, dass das Assad-Regime bewusst beabsichtigte, eine Revolution anzuschieben, sie zu provozieren und mit Nachdruck daran arbeitete, sie am Laufen zu halten, als sie an Schwung verlor und zu erliegen drohte (ich werde später erläutern WARUM). Assad und sein Regime bemühte sich, dieser Revolution alle Gründe zu liefern, mit ihr zu beginnen und fortzufahren, und zwar mit voller Koordination und Parallelarbeit zusammen mit seinen „vermeintlichen Feinden“, d. h. der Türkei und ihren Verbündeten.


Während tausende ausländischer Kämpfer die Grenzen überfluteten (und es immer noch tun), ausgerüstet mit Tonnen von Waffen, finanzieller und logistischer Hilfe, arbeiteten das syrische Regime und die russische Armee mit Hochdruck daran, syrische Städte eine nach der anderen zu zerstören. In fast keinem Fall wurden die ankommenden Kämpfer oder Waffen-Konvois von den Luftmächten des russischen oder syrischen Regimes gestört, obwohl sie offen sichtbar, ohne Gegenwehr an den türkischen und anderen Grenzen, in die von der Opposition kontrollierten Bereiche der syrischen Städte transportiert wurden.
Darüber hinaus ließ das Regime kurz nach Beginn der Rebellion und der Demonstrationen tausende verhafteter Radikaler frei, die in den Gefängnissen von Sednaya[1] und Palmira in Untersuchungshaft saßen. Diese Leute wurden vor ihrer Entlassung über Jahre (oder in vielen Fällen Jahrzehnte) vorbereitet und waren dafür vorgesehen, die späteren bewaffneten Rebellionen anzuführen. Die Anführer von Al Nusra, Isis und Ahrar Al Sham gehörten, neben Intellektuellen, die später die Gremien der politischen Opposition wie z.B. „die nationale Koalition“ formten, weitgehend zu genau dieser Gruppe, gemeinsam mit denjenigen, die von der Diaspora rekrutiert oder geschickt wurden und ausländischen Kämpfern.
Das Regime hat klar und systematisch die bewaffneten Bewegungen bestärkt, während es jegliche friedliche Fraktionen brutal bekämpft hat:







[1] http://www.spiegel.de/international/world/former-prisoners-fight-in-syrian-insurgency-a-927158.html: “Im März 2011 zu Beginn der Aufstände ließ Baschar al-Assad erneut viele Dschihadisten aus den Gefängnissen frei. Gleichzeitig wurden seitdem Zehntausende von syrischen Studenten, liberalen Aktivisten und Menschenrechtlern verhaftet. Erst kürzlich dokumentierte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch einige Schicksale“, was die Annahme nahelegt, das viele willkürlich festgenommen, gefoltert und unfairen Gerichtsprozessen unterzogen wurden.
Ebenso: http://s.telegraph.co.uk/graphics/projects/isis-jihad-syria-assad-islamic/ : Sednaja Gefängnis, nordöstlich von Damaskus, Syrien. Tausende politische Häftlinge wurden hier durch das Regime des Präsidenten Assad festgehalten, es ist zahlreich bezeugt, dass Präsident Bashar al-Assad sich während seiner Herrschaft sehr ambivalent den Dschihadisten gegenüber zeigte. Er ermunterte sie, in den Irak zu gehen, um Zarqawis Al-Qaida-Ableger beizutreten, dem Vorgänger von Isil, und nach 2003 Amerika zu bekämpfen, verhaftete aber dennoch viele bei ihrer Rückkehr nach Hause, sofern sie ihm als ähnliche Bedrohung für seine eigene Herrschaft erschienen. Als der Aufstand in Syrien im Frühjahr 2011 begann, ließ er hunderte von ihnen im Rahmen einer Begnadigung frei. Die Begnadigung, vermeintlich für politische Häftlinge, wurde zu der Zeit als Betrug oder auch zu wenig zu spät angeprangert. Tatsächlich war diese aber einer der wichtigsten politischen Entscheidungen, die Assad traf. Die freigelassenen Häftlinge waren hauptsächlich Islamisten, die sich danach einer Reihe von bewaffneten Gruppen anschlossen oder diese gründeten, während säkuläre und friedliche Demonstranten und Aktivisten weiterhin inhaftiert und ermordet wurden.  (The telegraph 11. Mai 2016).
Das Regime war erpicht darauf, jegliche friedliche Aktivisten oder Intellektuelle zu töten oder zu verhaften, während die bewaffneten Elemente ignoriert und bestärkt wurden. Die Anweisungen des Oberkommandos des syrischen Heeres und der Geheimpolizeiagenturen lauten, die gebildeten und älteren Bürger zu erniedrigen und Unschuldige zu töten: Kinder und Frauen (um die Menschen zu provozieren und verrückt zu machen).[1]




1.   
2.      Die Armee- und Regimekräfte agierten in den verschiedenen Ländern mit einer Doppelmoral, basierend auf der Ethnie, Religion, Sekte oder Lebensweise des Gebiets[2]. Es war klar, dass einige Gebiete weiterhin pro Assad bleiben sollten; dort wurden die Regime-Kräfte angewiesen, sich wie Engel zu verhalten. In anderen Teilen dagegen wurden die „Teufel“ ausgesandt, um die Menschen in die entgegengesetzte Haltung zu treiben.
Dieser Plan wurde erfolgreich ausgeführt und Menschen, die jahrzehntelang gemeinsam lebten, wurden letztlich zu vollkommen Fremden, weil keine Fraktion einer anderen vertrauen oder glauben konnte. Das führte dazu, dass sie zu gefährlichen Feinden wurden, die nicht mehr auf die Vernunft hörten und sich darauf konzentrierten, was die Medien sagten, die eine vollkommen andere Geschichte sendeten als die zweite „nationale“ Medienanstalt.
3.      Obwohl die Hauptquartiere (die in jeder von der Opposition beherrschten Stadt zehnfach vorhanden waren) jedem, auch den Spionen des Regimes, bekannt und unübersehbar waren und für militärische Technologie wie die der Russen einfach zu überwachen und zu beobachten, blieben diese Hauptquartiere unbehelligt in 6 Jahren voller TNT-Fässer, Raketen  und allen möglichen anderen Arten von Angriffen (auch chemischen und international verbotenen Waffen). Während gewaltiger Kämpfe, die ihnen die Medien als „Freiheitskämpfe“ verkauften (Wie die Befreiung des Stadtzentrums von Idlib in Nord-Syrien), fuhren Konvois aus Panzern glorreich Richtung Stadtzentrum, mitten am Tag, ohne jegliche Angriffe seitens des Regimes oder der russischen Luftwaffe UND ohne jegliche Angst der Oppositionskämpfer selbst oder irgendwelche Versuche, ihre Panzer zu verstecken (!), während die Flugzeuge des syrischen Regimes exakt in diesem Moment passenderweise die dicht bevölkerten Märkte, Krankenhäuser und Schulen attackierten!
4.      Assad wandte nicht seine volle Kraft und Arsenal auf, als die Rebellion begann. Im Gegenteil, er strebte mutwillig danach, Signale seiner Schwäche an die Rebellen zu senden, um sie zu ermuntern weiterzumachen. Denn er nutzte aus militärischer Sicht sehr klassische Reaktionen, als er in einem sehr sanften Ton sprach und seine „vermeintlichen Feinde und Verschwörer“ glauben ließ, dass er wirklich Angst vor ihnen hätte, und er befürchte sein Regime könne innerhalb von ein paar Tagen fallen! Die Medien arbeiteten solange daran, die Syrer von der angeblich schwachen Stellung Assads zu überzeugen, bis dies nicht mehr angezweifelt wurde.
Der Abwurf von Bombenfässern und Raketen begann erst, als es zu spät war, die angeschobene Rebellion umzukehren oder zu beenden oder darüber nachzudenken, einen Deal mit dem Regime einzugehen.
Es wurde zu spät umzukehren als:
·         die ausländischen Kämpfer zur stärksten Macht auf dem Boden wurden, ihre Arsenale und bewaffneten Hauptquartiere etablierten, und als sie sich irgendwann von den Einheimischen abkoppelten und diese arrogant oder ignorant behandelten.

·         Andererseits war es zu spät umzukehren, als die Syrer darauf vorbereitet wurden, bereitwillig eine Haltung „für Freiheit und Würde bis in den Tod“ anzunehmen. Diese Verpflichtung oder Schuldigkeit hatten sie nicht, bevor die Rebellion begann. Das Assad-Regime setzte seine volle Kraft nur dann ein, wenn es sich ernsthaft für etwas engagierte und ein Rückzug zu erniedrigend geworden wäre. Zu dieser Zeit lobten die Medienkanäle (vor allem Al Jazeera) jene, die ihr Leben für die Freiheit opferten und terrorisierten jeden, der dazu tendierte, Frieden oder Übereinkunft mit dem Regime zu schließen. Sie gingen sogar soweit, dies als Verrat am Blut der Märtyrer und an den Freiheitsprinzipien darzustellen. Die Umkehr wurde auch unmöglich für Syrer, die ihren Versprechen und Verpflichtungen nachkommen, egal wieviel sie dabei verlieren, und ungeachtet der zu erleidenden Tragödie (besonders nachdem sie in vielerlei Hinsicht darauf vorbereitet worden waren, wie ich in anderen Teilen dieses Buches erläutere).

5.      Der Opposition gegen Assad (den Islamisten und Rebellen) war es erlaubt, sich in Nähe der Stadtzentren aufzuhalten und lokal hergestellte Granaten täglich auf die Einwohner der Stadt zu werfen, vor allem um Christen und andere Minderheiten zu töten.
Obwohl es zu diesem Zeitpunkt für das Assad-Regime sehr einfach und naheliegend war, die Orte zu zerstören, an denen diese Granaten hergestellt und gestartet wurden, überging das Regime sie und konzentrierte sich auf die fernen Ziele.
Dieses Übergehen garantierte Assad die Loyalität der Stadtbewohner und ihre feindselige Haltung gegenüber der Opposition und hielt sie auf Assads Seite, wobei sich Wörter wie „Frieden“ in Alptraum und in einige der hässlichsten Begriffe überhaupt wandelten.
6.      Bald nachdem die Demonstrationen anfingen (oder auch schon vorher) begannen sich sogenannte „leaked“ Videos in den sozialen Medien auszubreiten oder sie wurden täglich über internationale TV-Nachrichten-Kanäle gesendet. Diese Videos sickerten aus Assads militärischen Punkten, Gefängnissen und Funktionärsbüros. Sie waren voller Taten, die Menschen provozieren: Beleidigungen gegen religiöse Ansichten, Frauen wurden gequält und in ihrer Ehre verletzt, kurz alles was Syrer (und radikale Muslime auf der ganzen Welt) verrückt werden lässt, dass ihnen keine andere Chance bleibt, als zu rebellieren. Für diese Radikalen in der ganzen Welt stellte reisen nach Syrien die einzige Option dar, um dem „Ruf des Dschihad zu folgen/(antworten) oder um die Ehre ihrer muslimischen Schwestern zu schützen“.
Der springende Punkt ist hier: Solche Videos oder nur Fotos durchsickern zu lassen, war die letzten 40 Jahre nahezu unmöglich gewesen! Wie ich bereits sagte, die Kriminalität des Assad-Regimes begann nicht erst in 2011. Brutalste Praktiken waren in Syrien und anderen 14 Regierungsbezirken tagtäglich für Dekaden gang und gäbe, aber nichts von diesen Praktiken hatte vorher jemals die Chance, unter irgendwelchen Umständen nach außen dringen zu können. Die Syrer und Assads Offiziere wussten, dass wer auch immer Informationen gegen den Willen der Regierung nach außen dringen ließe, würde unverzüglich und hart bestraft werden, mitsamt seinen Verwandten und geliebten Menschen.
Auch wenn die Medien des Regimes offiziell behaupteten, über solche Videos äußerst empört zu sein und sie abstritten, zeigt eine einfache Überprüfung dieser  angeblich „durchgesickerten“ Videos, dass diese mit einfach zu bedienenden Geräten ungehindert, also nicht heimlich, aufgenommen wurden, nicht etwa durch verängstigte Kameramänner und versteckte oder stationäre Kameras beispielsweise. Da diese angeblich heimlich gefilmten Videos mit Mobiltelefonen von Assads Soldaten aufgezeichnet wurden, hätte die Geheimpolizei sie einfach identifizieren können. Das bedeutet, Assads Regime wollte die Verbreitung und lies sie willentlich geschehen. Und diese Videos wurden während der Kriegsjahre systematisch auf täglicher Basis aufgenommen und verbreitet (WARUM, dazu komme ich später).



7.    

Lesen Sie auch:

Wie das türkische Regime die syrische Krise erschuf






[1] Als dagegen einige Soldaten einmal einen bewaffneten Anführer des Widerstandes aufgriffen und das oberste Kommando glücklich anriefen, um es zu informieren, kam die von ihrem Kommandanten diese brutale, wütende Antwort: „Lasst ihn frei, ihr Bastarde!“ (Aus eigener Erfahrung des Autors, Sarakib, Nord-Syrien 2011).
[2] Gebiete wie Großstadtzentren, reiche Nachbarschaften, Christen, Alawiten und Drusen wurden gänzlich anders behandelt als ländliche und konservative Gebiete, welche systematisch bedrängt (und sogar gelockt und dazu verleitet) wurden (die Rebellion voranzutreiben).   


video

The Iraqi Bishop Athanasius Thomas Dawood explains how the Iraqi army left its arsenal to ISIS fighters, as if there was a secret agrrement between them both:


https://www.youtube.com/watch?v=fneJgKBZpOs

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