Mittwoch, 8. April 2015

Regierungen sind vom Mars, Nationen von der Venus


Da ich mich für dieses Thema interessiere und es mich persönlich berührt, wollte ich alle möglichen Meinungen dazu hören, einschließlich derer, die „viel zu extrem“ erscheinen.
In den Jahren nach der Krise habe ich alle möglichen Theorien gehört, die möglichen und die unvorstellbaren.
Ich habe Theorien wie „CIA-Plan zur Zerstörung Europas mit Migrantenwellen“ oder „Soros- / Freimaurer- / Rockefellers-Plan zur Zerstörung der deutschen Rasse durch Ermutigung der Homosexualität unter den Deutschen und Überwältigen Deutschlands mit Migranten anderer Rassen“ und anderer unbegrenzter "leichter" Ausgabe von Theorien. Theorien gelesen.

Lassen Sie mich ehrlich sein: Der syrische Krieg hat uns gelehrt, keine Theorie auszuschließen. Wie ich jedoch immer betonen möchte, bin ich kein Fan von „Verschwörungstheorien“. Inzwischen neige ich nicht dazu, einige von ihnen zu bestreiten. Der syrische Krieg hat mich gelehrt, dass alles möglich ist. Ich halte mich für jede logische Erklärung offen, vorausgesetzt, es gibt genügend Fakten und nicht nur eine Fiktion.
Nach den Tatsachen, die ich miterlebt habe, und den gesammelten Daten kann ich der Existenz unterschiedlicher Geschichten zwischen dem, was erzählt wurde und dem, was getan wurde zustimmen. Wenn das „Verschwörung“ bedeuten könnte, habe ich kein Problem.
Meiner Meinung nach liegt das Schlüsselwort, um zu verstehen, was passiert ist und was los ist, in der Tatsache: „Regierungen sind vom Mars, Nationen sind von der Venus.“
Regierungen und Nationen sprechen nicht dieselbe Sprache, haben nicht den gleichen Verstand. Es fehlt an Transparenz. Dies alles führt zu Misstrauen und Missverständnissen. Regierungen werden durch Statistiken motiviert. Sie bauen ihre Ansichten und Entscheidungen auf Zahlen und Tabellen auf.
Nationen und normale Menschen dagegen sind durch weniger materielle und menschlichere Überlegungen motiviert. Sie werden von ihren Kulturen und Philosophien beeinflusst.
Die Regierungen sehen öffentliche Ausgaben nicht als   „Kosten“ wie für Einzelpersonen. Die Frage an Regierungen und Regierungsorgane lautet nicht „wie viel kostet X-Aktivität?“, sondern „wo wird das Geld enden?“ oder „Wie viele Arbeitsplätze werden geschaffen?“, „wie viele Steuern würden bezahlt werden?“ und „wie stark könnte dies die Wirtschaft verbessern?“.
Ein Restaurant oder ein Café zu besuchen, anstatt zu Hause zu kochen, ist für Einzelpersonen teuer, aber aus Sicht der Regierungen eine geschätzte Aktivität. Dasselbe könnte man über die Aufnahme eines Flüchtlings sagen. Die Entscheidung für Entscheidungsträger ist nicht, wie hoch die Anzahl der Kosten ist, sondern in welchen Taschen diese Kosten enden.
Bis beide „Instanzen“ eine gemeinsame Sprache und Logik finden (ich erwarte nicht, dass dies bald geschehen würde), würde die Krise weitergehen. Und andere könnten dazukommen.




Die wichtigsten Bedenken, die Deutschland und seine "jüngeren Schwestern" im letzten Jahrzehnt motiviert hatten, ließen sich im Titel einer von der Deutsche Bank Research[1] durchgeführten und veröffentlichten Studie ablesen: "Die deutschen Staatsfinanzen: Überschüsse dank Vollbeschäftigung und Nullzinsen, aber Demografie droht!"

“Bund, Länder und Gemeinden haben im ersten Halbjahr 18,5 Milliarden Euro mehr eingenommen, als sie ausgegeben haben. Wofür nur soll das viele Geld verwendet werden?“[2]
Aus den oben genannten Quellen und vielen anderen geht hervor, dass die Regierungen ständig über die Frage nach den besten Anlagemöglichkeiten für die Verwendung dieser Überschüsse besorgt waren, während sie gleichzeitig andere Probleme parallel gelöst haben, vor allem das demografische Problem und die wirtschaftliche Entwicklung und die Verringerung der Arbeitslosigkeit um mehr Popularität für die Parteien an der Macht zu gewinnen.

Die Welt Tageszeitung am 06.05.2012:
„Konjunkturprogramme waren lange verpönt. Dann wurden sie doch wieder eingesetzt, als Ultima Ratio in der Finanzkrise 2008. Jetzt zeigt sich: Das hat die keynesianische Nachfragesteuerung wieder hoffähig gemacht
François Hollande steht kurz vor dem Ziel. Wenn der Sozialist heute wie erwartet die französische Präsidentschaftswahl gewinnt, kann er endlich Schluss machen mit der einseitigen Politik des Sparens und Kürzens in Europa. Statt den Rotstift weiter anzusetzen, will Hollande mit einem europäischen Wachstumspakt die Konjunktur der kriselnden Euro-Staaten ankurbeln und so ihre Schmerzen lindern. Kanzlerin Angela Merkel scheint Hollande überzeugt zu haben - zumindest nach seiner eigenen Einschätzung. "Vor ein paar Wochen wollte Merkel das Wort Wachstum noch nicht einmal hören", sagte der Sozialist. Das habe sich dank seiner Argumente nun völlig gewandelt. "Nun geraten die Dinge in Bewegung, und das wird nach der Wahl in Frankreich noch stärker werden", sagte der 57-Jährige selbstbewusst.
Hollande spricht vielen Europäern aus dem Herzen. Zwar versteht jeder unter dem diskutierten Wachstumsprogramm etwas anderes. Doch dass irgendeine Art von schuldenfinanziertem Konjunkturprogramm kommen wird, darf als sicher gelten. Zeitweise, ehe die EU-Kommission dementierte, war sogar von einem neuen "Marshallplan" für Europa in Höhe von 200 Milliarden Euro die Rede.
Noch vor ein paar Jahren wären die Befürworter eines solchen Plans für verrückt erklärt worden. Konjunkturprogramme, das waren verstaubte Vorschläge von Politikern, die geistig in den 70er-Jahren der alten Bundesrepublik hängen geblieben waren. Doch durch den Ausbruch der Finanzkrise 2008 haben der Ökonom John Maynard Keynes und seine Ideen ein fulminantes Comeback erlebt. Keynesianer stehen nicht mehr länger in der ökonomischen Schmuddelecke, sondern im Mainstream. […]
"Die Regierungen müssen mehr ausgeben, nicht weniger, bis der Privatsektor den Aufschwung wieder tragen kann", fordert der Starökonom deshalb. In Europa müsse Deutschland ein riesiges Konjunkturprogramm auflegen, um so die Nachfrage in den Krisenstaaten anzuschieben. "Nur so können wir die Depression überwinden und den Euro retten", glaubt Krugman.“[3]

Es scheint, dass die Politiker nach langen Überlegungen, Beratungen und Studien über die Möglichkeiten und Variationen herausfanden, dass die beste Wahl darin besteht, die Überschüsse in eine "junge Generation" und in Kinder,"Väter und Mütter" zu investieren, die diese Kinder zeugen und erziehen würden.

Aus Keynesianischer Sicht würde die Wahl einer solchen Investition die  Wirtschaft verbessern, da Flüchtlinge eine hohe marginale Konsumquote[4] haben,  und damit die Arbeitslosenquote senken. Doch dies ist nur eine Illusion: Während die Medien nur an der geringeren Arbeitslosenquote interessiert waren, viel nicht auf das Deutsche zwar mehr Arbeit hatten, jedoch Flüchtlinge in der Statistik ignoriert wurden. 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, am 08.01.2009:
„ Trotzdem ist Keynes auf einmal wieder populär. Das liegt daran, dass er der Ökonom der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre war. Und auch wenn in der aktuellen Krise vieles anders und einiges weniger dramatisch ist als damals - Keynes' Gedanken liefern Diskussionsstoff. Vor allem wenn es darum geht, was der Staat nun tun kann. Bringt es etwas, wenn Politiker ein Konjunkturpaket auflegen oder nicht? Wer mitreden will, muss Keynes kennenlernen.
Keynes' Anhänger reden gerne vom Multiplikatorteffekt der Staatsausgaben
Dann hilft nach Ansicht der Keynesianer nur eins, um die Wirtschaft anzukurbeln und die Arbeitslosigkeit zu senken: Der Staat muss seine Ausgaben erhöhen. Was er tut, ist dabei relativ egal: Straßen oder Brücken bauen, die Schulen sanieren oder jedem Beamten einen Dienstwagen kaufen. Alles funktioniert. Denn es verändert das Gleichgewicht auf dem Gütermarkt. Die Güternachfrage wird größer als das Angebot. Das heizt die Produktion an. Das Volkseinkommen steigt zu jedem Zins; die IS-Kurve verschiebt sich nach rechts. Die Wirtschaft wächst. Mehr Menschen kommen in Arbeit.
Nach keynesianischen Vorstellungen kann der Staat auf diese Art seine Bürger so lange unterstützen, bis die Krise vorbei ist. Ob die Politik damit Erfolg hat, hängt auch davon ab, ob sie mit ihren Ausgaben die Konsumenten und Unternehmen dazu bewegen kann, ebenfalls mehr nachzufragen. Die Gesamtnachfrage erhöht sich dann nämlich nicht nur um den Betrag der zusätzlichen Staatsausgaben, sondern um einen höheren. Ohne diesen sogenannten Multiplikatoreffekt wären Konjunkturprogramme sinnlos. Keynes begründet die Existenz dieses Multiplikatoreffekts so: Die höheren Staatsausgaben stellen für Unternehmen und Konsumenten Einnahmen dar. Weil deren Nachfrage wiederum von der Höhe ihrer Einnahmen abhängt, steigern sie als Reaktion auf die höheren Staatsausgaben ihrerseits die Nachfrage. Eine kleine Erhöhung der Staatsausgaben führt dadurch in der Regel zu einer stärkeren Erhöhung des Volkseinkommens.
Das kann man sich so vorstellen: Die Bundesregierung gibt für ein neues Stück Autobahn 10 Millionen Euro aus. Davon werden Bauunternehmen bezahlt. Deren Einnahmen erhöhen sich. Sie fragen deshalb mehr Baumaschinen nach. Die Baumaschinenhersteller wiederum kaufen mehr Rohmaterial. Und so weiter. Am Schluss steigt das Volkseinkommen um ein Mehrfaches der ursprünglichen Staatsausgaben.
Sparen ist für Keynes keine Tugend
Wie stark dieser Effekt ausfällt, darüber entscheidet der keynesianische Multiplikator. Sein Wert ist je nach Land unterschiedlich, kurzfristig aber nicht zu beeinflussen. In einer geschlossenen Volkswirtschaft gilt: ΔY = ΔG / s.
ΔY bezeichnet die Veränderung des Volkseinkommens, ΔG die Veränderung der Staatsausgaben und "s" die Sparquote, die angibt, wie viel von einem Euro zusätzlichen Einkommens gespart wird.
Der Multiplikator wirkt also umso stärker, je niedriger die Sparneigung ist. Abgeschwächt wird seine Wirkung durch verschiedene Formen des Versickerns; neben dem Sparen auch durch die Besteuerung und die Importe. Eigentlich logisch: Je mehr von dem zusätzlichen Einkommen von Steuern aufgefressen wird, desto geringer ist der Multiplikatoreffekt Und er ist auch umso geringer, je mehr die Menschen von ihrem zusätzlichen Einkommen Güter aus dem Ausland kaufen.“[5]

DIE ZEIT, 06.11.2008:

 „Und weil arbeitslose Arbeiter erst recht keine Autos und Häuser mehr kaufen, investieren die Unternehmen noch weniger und entlassen noch mehr Leute. Dann brechen noch mehr Banken zusammen, und die Krise hört gar nicht mehr auf. Genau das geschah Anfang der dreißiger Jahre. Und so ähnlich wiederholt es sich in diesen Tagen.
Es gebe, schrieb Keynes, in einer solchen Situation nur einen Ausweg: "Die Aufgabe, das Volumen der Investitionen zu steuern, kann nicht in privaten Händen gelassen werden." Stattdessen müsse der Staat einspringen. Er müsse sich selbst wie ein Unternehmer verhalten, müsse sich verschulden, Kredit aufnehmen und Investitionen tätigen, müsse Schulen, Straßen, Wohnungen bauen und auf diese Weise selbst für Einkäufe sorgen, die sich dann in neue Einkommen verwandelten. Anders sei der Kapitalismus nicht zu retten. Denn sonst, so Keynes, "wird eine chronische Tendenz zu Unterbeschäftigung… diese Gesellschaftsform zerstören.[…]
Drei Jahre vor Erscheinen der Allgemeinen Theorie beginnt der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt mit staatlichen Maßnahmen, dem "New Deal", die Wirtschaft anzukurbeln. Sein Erfolg sorgt mit dafür, dass Keynes neben Marx der einzige Wirtschaftswissenschaftler ist, aus dessen Name ein "-ismus" wurde.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wird der Keynesianismus in fast allen Industrieländern zur Grundlage der Wirtschaftspolitik. Mithilfe von Steuern, Staatsausgaben und Zinspolitik, so scheint es, können Finanzminister und Zentralbankchefs die Wirtschaft so präzise steuern wie ihren Dienstwagen. Drei Jahrzehnte lang bleibt die Welt von Rezessionen verschont, fast überall herrscht Vollbeschäftigung.
Der Kapitalismus bereichert auch die Arbeiter in ungeahnter Weise. Unter Gewerkschaftern und Sozialdemokraten sinkt die Zahl der Marxisten. Es steigt die Zahl der Keynesianer. In Deutschland schafft es der SPD-Wirtschaftspolitiker Karl Schiller, mithilfe keynesianischer Konjunkturprogramme die Krise des Jahres 1967 in einen Aufschwung zu verwandeln. Vier Jahre später sagt der republikanische US-Präsident Richard Nixon: "Wir sind jetzt alle Keynesianer.“[6]

In die Neuankömmlinge zu investieren bedeutet auch, dass diese Regierungen die essentiellen Sektoren in ihren Wirtschaften unterstützen, nämlich den Immobiliensektor, Bildung, das Gesundheitswesen und den Einzelhandelssektor, da das meiste Geld, das die Regierungen für die Flüchtlinge ausgeben, sofort in diese Sektoren fließt, zusammen mit weiterem Geld aus diversen anderen Quellen (wie das Geld, das die Flüchtlinge mit sich bringen, die Unterstützung, die sie vielleicht von internationalen Organisationen erhalten oder von Spendenländern wie den arabischen Golfstaaten, usw.).

Anders gesagt, wenn diese Länder ihre Überschüsse auf ihre Bürger verteilen würden, würden diese sie sehr wahrscheinlich nicht in der eigenen Wirtschaft ausgeben, denn sie neigen dazu, entweder das Geld zu sparen oder es im Ausland zu investieren oder auszugeben (Reisen, Projekte im Ausland, ausländische Waren importieren, etc.). Würden die Staaten das Geld dagegen unter den Neuankömmlingen verteilen, wie den Flüchtlingen, würden diese nahezu 100 Prozent dieser Mittel direkt in der lokalen Wirtschaft ausgeben. Natürlich widerstrebt den Bürgern diese Wahl durch die Regierung, was wiederum zu einem unausgesprochenen, subtilen Konflikt zwischen der Nation und den Politikern führt, der kaum offen diskutiert wird und bei dem beide Parteien nicht alle über dessen Thema öffentlich aussprechen können. Aus dieser Perspektive können wir verstehen, worum es bei dem gesamten Dialog über Flüchtlinge oder das Sozialsystem geht. Für die Regierung stellt sich die Frage: „wo wird das Geld ausgegeben, unabhängig von allen anderen Überlegungen, wer diese Mittel verdient oder wie fair das System ist“, während Privatpersonen diese Überlegungen vollständig fern liegen[7].
                                                                                                               
Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW): "Der Staat hat endlich erkannt, dass er mehr in Bildung und Infrastruktur investieren muss. Diesen Nachholbedarf hatten wir allerdings schon vor der Flüchtlingskrise. Deshalb finde ich es etwas verlogen, wenn die Debatte jetzt nur wegen der Flüchtlinge aufgemacht wird."[8] am 03.11.2015

Vor dem aktuellen Flüchtlingsstrom waren diese Länder auf andere Quellen angewiesen, um ihren Jugendmangel zu begleichen, entweder indem sie weitere Länder der EU beitreten ließen oder indem sie Arbeiter aus Nicht-EU-Staaten wie Serbien oder der Türkei anwarben.




[4] Die marginale Konsumquote (auch: marginale Konsumneigung, Grenzneigung zum Konsum), beschreibt den Anteil des Einkommens, den die privaten Haushalte einer Volkswirtschaft an der nächsten zusätzlichen (marginalen) Einkommenseinheit konsumieren, d.h. nicht sparen. Sie ist grundlegend für die Entwicklung des Keynesianischen Totalmodells und des Multiplikators.

Zum Beispiel: Wenn ein Haushalt einen Euro mehr zur Verfügung hat und die Marginale Konsumquote ist 0.65, dann wird der Haushalt von dem zusätzlichen Euro 65 Cents ausgeben und 35 Cents sparen.

http://deacademic.com/dic.nsf/dewiki/914660

[8] https://www.welt.de/wirtschaft/article148364620/Nach-sieben-Jahren-bringt-ein-Fluechtling-dem-Staat-Geld.html

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